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Bischofsmord anno 1066

Ürzig - Der Mord des designierten Bischofs Cuno von Pfullingen
Dr. Dr. Karl Christoffel

.... viel Text, aber es lohnt sich.

In unserer fast 2.000 Jahre urkundlich erhellten Landesgeschichte kommt es nur selten vor, daß sich außerhalb der beiden erzbischöflichen Metropolen und Residenzen Trier und Koblenz in einem der bis ins 19. Jahrhundert meist nur schwach bevölkerten Moseldörfern ein bedeutendes historisches Ereignis abgespielt hat, das sie Geschichtsbücher für aufzeichnenswert hielten und das im Volksbewußtsein bis heute fortlebt. Fast in allen Ortschaften schleppte sich bei dem überaus großen Anteil des Adels und besonders der Geistlichkeit am Reben- und Ackerboden der meist nur kleinen Dörfer das Alltagsleben eintönig und fast geschichtslos dahin Nur die noch erhaltenen urkundlichen Aufzeichnungen des Grundstückswechsels durch Verkäufe, Tauschgeschäfte, Erbschaften, Schenkungen und Stiftungen, zumeist zwischen den kirchlichen und adeligen Grundherren, die Weistümer, die klerikalen und amtlichen Visitationsprotokolle, die Berichte von unter den ritterlichen und geistlichen Gewalten ausgetragenen Fehden, von den Verwüstungen im 3ojährigen Krieg und den vielen Burgenzerstörungen in der nachfolgenden moselländischen "Franzosenzeit" geben Kunde vom Verlauf des landesgeschichtlichen Lebens, aber keine genügenden Unterlagen für durchgängige Ortsgeschichten. Darum ist es von großem Erinnerungswert für ein Moseldorf, wenn es auf ein bedeutendes geschichtliches Ereignis in seiner Vergangenheit zurückblicken kann, wie Ürzig auf die Ermordung des designierten Trierer Erzbischofs Kuno von Pfullingen im Jahre 1066, im gleichen Jahr, in dem Wilhelm der Eroberer sich von seiner Normandie aus Englands bemächtigte, in einer Zeit der Alleinherrschaft der Kirche über den Volksgeist, in der die grausige Bluttat an einem ihrer höchsten Vertreter ein ungeheures Aufsehen erregte. Zum Verständnis eines solchen Ereignisses ist ein Einblick in die damaligen politischen Verhältnisse im Erzstift Trier unerläßlich. Nach den verheerenden Folgen des Normanneneinbruchs in Trier von 882 mußten sich auch die Trierer Erzbischöfe sowie überall die geistlichen und weltlichen Landesherren zur Verwaltung und zum Schutz ihres Gebietes das immer mehr von gewalttätigen Grafen und Vögten bedroht wurde, der Hilfe von Vasallen bedienen. Diese zum Waffendienst verpflichteten Männer waren sowohl Vollfreie, meist vornehmer Herkunft, wie auch Ministeriale, das heißt Angehörige einer Oberschicht unfreier Hofdiener, die mit einem erheblichen Zinsgut entlohnt wurden. Schon seit dem Anfang des 10. Jahrhunderts war ihnen die Landesverteidigung anvertraut. Mit kluger Verwendung dieser Vasallen schaffte der tatkräftige Erzbischof Poppo (1016 - 1047), der von Kaiser Heinrich II. in sein Trierer Amt eingesetzte Sohn des babenbergischen Markgrafen der bayerischen Ostmark und Dompropst von Bamberg, wieder Ruhe und Ordnung in dem verwahrlosten Lande. Konnte Poppos starke Persönlichkeit den Drang der Ministerialen nach Verselbständigung noch im Zaume halten, geriet sein schwächerer Nachfolger Eberhard (1047 - 1066) jedoch in völlige Abhängigkeit von ihnen. Kurz vor seinem Tode empfing er noch den Besuch Kaiser Heinrichs IV. (1056 - 1106) in Begleitung von seinem einstigen Lehrer, dem mächtigen Kölner Erzbischof Anno (1056 - 1075), der beim Kaiser die Designierung seines Neffen Kuno von Pfullingen für den Trierer erzbischöflichen Stuhl erreichte. Um den Hergang von dessen grausamer Ermordung auf Betreiben einer Trierer Gegenpartei bei seiner Anreise 1066 zu schildern, wollen wir dem ausführlichen Bericht des unvergessenen Trierer Stadtbibliothekrektors Dr Gottfried Kentenich folgen, der auf des Paters Christian Browerus “Antiquitatum Annalium Trevirensium” von 1670 fußt. Er ist seinem verdienstvollen Werk “Geschichte der Stadt Trier, von ihrer Gründung bis zur Gegenwart", Trier 1915, entnommen, das, längst vergriffen, bei seinem riesigen Umfang von 1035 Seiten heute nur noch von Historikern benutzt wird. Er schreibt (nur wenig gekürzt). “Anno war es, der nach Erzbischof Eberhards Tode (12.4.1066) das Erzstift Trier seinem Neffen Konrad (Kuno) zu verschaffen suchte. Er erlangte das Einverständnis König Heinrichs IV., und Bischof Einhard von Speyer wurde vom Könige beauftragt, mit einer bewaffneten Schar den Zug nach Trier zu begleiten. Die beiden hohen Geistlichen waren mit ihren Gefolgsleuten und mit ansehnlichem Gepäck schon über die Eifel hinüber bis auf wenige Stunden nördlich von Trier, nach Bitburg, gelangt und hatten da zu einer letzten Nachtruhe sich eingelagert, um am folgenden Tage die kurze Strecke nach Trier noch zurückzulegen und darauf die feierliche lnthronisation zu vollziehen. Allein in der erzbischöflichen Stadt war schon gleich nach der Ankunft der Nachricht von demjenigen, was am Hofe geschehen war, die größte Aufregung spürbar geworden. Aus den Kreisen der Geistlichen übertrug sich der Geist der heftigen Unzufriedenheit auf das Volk, welches erklärte, dieses nicht regelrecht gewählte und bestellte Haupt der Trierer Kirche werde nicht in seine Stadt eintreten und über dieselbe gebieten dürfen, und als Träger der ganzen Bewegung trat der Inhaber des burggräflichen Amtes, welcher zugleich die Stelle eines Vogtes bekleidete, Graf Theoderich, in den Vordergrund, der, wie eine Nachricht ihn als einen noch jungen leidenschaftlichen Mann schildert, seinem ganzen Wesen nach am besten hierzu sich eignete. Aus der Kriegsmannschaft des Erzstifts raffte er seine Leute zusammen; der Ruf ging durch die Stadt, wer nicht mitmache, beleidige den Burggrafen.
Die große Glocke wurde geläutet, um die Gerüsteten zu versammeln. Aber vorsichtig wurde dabei vorgegangen. damit der Überfall nicht den Bedrohten bekannt würde. Zur Zeit des Abendgebets geschah in die klare Nacht hinein der Aufbruch. Doch die Ausrückenden sollen Laubwerk von Bäumen vorausgetragen haben, so daß die Waffen verdeckt blieben, und das Ganze fast den Anschein einer festlichen Einholung des in Trier erwarteten Erzbischofs gewann. (Eine interessante Vorwegnahme des von Shakespeare im “Macbeth” (V,4) verwendeten Motivs von “Birnams Wald” vor der Schlacht bei Dunsinan: “Malcelm: Ein jeder Krieger hau' sich ab einen Zweig,/Und trag Ihn vor sich; so verbergen wir/Die Truppenzahl, und irrig wird der Feind/ In seiner Schätzung” K.C).
In den ersten Morgenstunden - es war der 18. Mai (1066) als die Sonne schon am Himmel stand, und die Leute des Konrad und Einhard beigegebenen und bewaffneten Gefolges sich zu Bitburg zum Ausrücken bereit machten, geschah der plötzliche Überfall. Nach einer Nachricht sollen die Wächter, statt Konrad zu verteidigen, alsbald bei dem Lärm des Angriffes geflohen sein, um in der Schnelligkeit ihrer Füße oder in den dichten Wäldern Rettung zu finden, wobei aber doch noch manche verwundet oder ergriffen worden seien; ein anderes Zeugnis redet von der Kampfbereitschaft. die aber gegenüber der Übermacht vergeblich war. Jedenfalls wurde eine große Beute durch die Anstürmenden gewonnen. Als die Trierer ihrer Sache sicher waren und keine Abwehr mehr zu besorgen hatten, brachen sie, nachdem sie die Türen eingeschlagen hatten, in den Wohnraum des Gebäudes ein, wo für Konrad und Einhard die Ruhestätten aufgeschlagen worden waren. Schon waren die beiden über dem Getöse erwacht und erwarteten das Äußerste. Es heißt, der Speyerer Bischof sei von Konrads Seite hinweg in die Kirche hinter den Altar entwichen, aber aufgefunden unter Backensträuchern worden; dann aber habe man Ihn seines ganzen Gepäckes beraubt, nur mangelhaft umhüllt und mit unbekleideten Füßen auf ein schlechtes Lasttier gesetzt und nach seinem Bistum heimgeschickt, mit Ihm zugleich seine Leute. Den Erzbischof dagegen sparten die Feinde zunächst, nachdem sie ihn gebunden hatten, für eine noch weit härtere Behandlung auf. Wahrscheinlich war Graf Theoderich selbst zur Zeit über die letzten gegen Konrad zu wählenden Maßnahmen nicht fertig entschlossen Der Gefangene wurde ostwärts an die Mosel gebracht. Immerhin steht wohl in der Hauptsache der Gang der Dinge fest. Die Mörder sollen ihr Opfer, das nur mit einem Untergewand bekleidet war, mit verhülltem Angesicht und auf den Rücken gefesselten Händen unter unmenschlichem Spotte auf den Vorsprung eines der Burg naheliegenden, dicht mit Bäumen bewachsenen Berges hinausgeführt haben, und so soll Konrad drei Male, ohne ernsthafte Verletzungen zu erleiden, hinuntergeworfen sein. Ohne Zweifel geschah schließlich die Enthauptung mit den Schwertern. Der Tag der Freveltat war der 1. Juni. Als den Platz derselben kennt die örtliche Überlieferung den gleich unterhalb Ürzig an den Fluß vorspringenden Micheislei. Die Mörder ließen die Leiche unbestattet, nur mit Gesträuch und Domzeug bedeckt, liegen, und es mußte als ein abermaliges Wunder gelten, daß Vögel und Waldtiere dieselbe nicht beschädigten. Denn es vergingen fast 40 Tage, ehe - am 8. Juli - Bauern des schräg gegenüber auf dem rechten Flußufer liegen den Dorfes Lösnich aus Mitleid den Körper erhoben und mit aller Ehre, welche sie bieten konnten, vor Ihrer Kirche beisetzten. Später jedoch brachte Bischof Theoderich von Verdun die Reste Konrads von dieser bescheidenen Ruhestätte hinweg nach dem südöstlich von Trier landeinwärts liegenden Kloster Tholey. Es kann nach dem großen Aufsehen, welches das gewaltsame Ende des Erwählten von Trier in weitem Umkreise erregt hatte, nicht auffallen, daß auch hier an der endgültigen Ruhestätte des Ermordeten Wunder bald in reichlicher Menge beobachtet wurden.
Die am 1. Juni geschehene Freveltat war eine arge, dem Ansehen des Königs zugefügte Beleidigung, und so verstand es sich, daß Heinrich IV. zuerst heftig aufbrauste, als er die Kunde von den an der Mosel geschehenen Dingen erhielt. Er drohte der Stadt, aus welcher heraus das Verbrechen angezetteit worden war, furchtbare Rache; die Rede soll gefallen sein, er wolle Trier entvölkern. Aber die Einreden vernünftiger Ratgeber beschwichtigten seinen Eifer. In Trier kam es sogar nicht einmal zu einer unmittelbaren Bestrafung der an dem Morde Konrads schuldigen Männer.
Graf Theoderich selbst, der eigentliche Urheber des gewaltsamen Endes des Erwählten, scheint durchaus unangetastet geblieben zu sein. Erst sieben Jahre später muß bei Ihm die Reue über die begangene Tat ihren öffentlichen Ausdruck gefunden haben, während früher ein Besuch am Grabe Konrads zu Tholey, mehr eine Folge zweifelnder Neugier, ohne tieferen Eindruck geblieben war. Jetzt jedoch - eben im Jahre 1073 - beteiligte sich der Graf an einer Fahrt vieler anderer Pilger nach Jerusalem, von glühendem Glaubenseifer erfüllt, obschon große Gefahren auf der Reise zu erwarten waren, und wirklich erreichte er sein Ziel nicht. Denn nach der Einschiffung zu Latakia ging auf der Fahrt nach Palästina das Schiff nach einem viertägigen Sturm unter, am 17. Februar des Jahres.
Ebenso sind die von dem Burggrafen von Trier beauftragten eigentlichen Volksführer der Bluttat erst nachträglich, und zwar augenscheinlich in der Form einer kirchlichen Buße zur Verantwortung gezogen worden In einem bayrischen Kloster wurden sie erblickt, wie sie, mit eisernen Ringen um den Leib belastet, auf der Wallfahrt nach heiligen Stätten ihre Reue darlegten (Meyer von Kronau).
Wenn wir rückschauend zu erkennen suchen, wer das “Volk”. ist, welches damals die Geschicke Triers bestimmt, dann kann kein Zweifel sein, daß es der Burggraf und die Ministerialen oder Kriegsleute sind. Sie sind so sehr die Herren der Situation. daß sie nur einen ihnen genehmen Bischof annehmen und daß man sie für ihre Freveltat nicht einmal zur Verantwortung zieht.”
 

Dem weitschweifig-altväterlichen Stil der Schilderung ist anzumerken, daß sich der Verfasser an alte Berichte gehalten hat. Wie die Landschaft aussah, in der sich die frühmittelalterliche Tragödie abspielte, zeigt der feinsinnige, getreu der Natur nachgezeichnete Stich des auch heute noch künstlerisch hochgeschätzten C, Bodmer in Christian von Strembergs unvergessenem Reisebuch: “Das Moseltal zwischen Zell und Konz”. Koblenz 1837.

Die warmherzige Naturempfindung der ausklingenden Romantik spricht gleichgestimmt aus Bodmers Stich und von Strambergs Beschreibung des einzigartigen Landschaftsbildes der Ürziger Urlay, die der Beschreiber “eine der klassischen Stellen des Vaterlandes” nennt. Sie wirkte damals noch wildromantisch, denn es gab ja, wie man auf dem Bilde sieht, die linksuferige Moselstraße zwischen Kues und Traben noch nicht, und der Verkehr bewegte sich auf Moselkähnen und der Landstraße von Trier nach Koblenz durchs Wittlicher Tal. überschwenglich romantisch klingt im Vergleich zur Naturtreue Bodmanns die Landschaftsschilderung von Strambergs:

“Von Erden an werden die Formen des linken Ufers stets pittoresker, wild erheben sich über den wohlgepflegten Weinbergen die regellosen Felsblöcke. Aber nirgends zeigen sich diese Felsen so kühn aufgeschichtet, so malerisch mit Reben und Gebüsch gruppiert, als an der sogenannten St. Michelsley (ein anderer von einem später in der Burgruine hausenden Klausner hergeleiteter Name für Urlay. K.C.) vor Ürzig. Es ist das nichts weiter als ein Turm, zum Teil In den Felsen ausgehöhlt.

Höchstwahrscheinlich war dieser alte Bau zu einem Gefängnisse bestimmt, das verrät seine ganze Einrichtung und beschränkte Ausdehnung. Urley Ist des Turmes wahrer Name gleich jenem von Ürzig aus dem keltischen Ur-“Feuer” entstanden. Vielleicht, daß die ersten Begründer das Himmelsfeuer meinten, das in dem engen Tale ungewöhnliche Kraft entwickelt und gleich bei der Urley, an der Krankley, einen der besten Moselweine erzeugt.”

So recht von Stramberg in seiner letzten Feststellung hat, so irrig ist seine doppelte sprachliche Ableitung. übrigens ist Ley oder Lay - beides ist gebräuchlich - urverwandt mit griech. laas = Stein und an der Mosel Schieferfels.

Der keltisch-römische Ortsname Uerzig oder Ürzig leitet sich von Ursiacum (a 690) = Hof

des Ursus her. In Urlay aber haben wir das altgermanische ur das die Grundbedeutung Us = aus, überaus, groß hat. Es findet sich häufig sowohl als betonte wie als unbetonte Vorsilbe. Als betonte z. B. in: Urkunde (Auskunft), Urteil (Ausspruch), Urlaub (Ausgang), Urahne (Großvater), als unbetonte in: erlauben, erkennen, erlangen usw. Urlay bedeutet demnach Großlay, wie ja auch die dicht benachbarte Kranklay, von Grandelay = Großlay.

Der sprachkundliche Ausklang rundet das einzigartige Bild der Ürziger Urlay ab, in dem sich ein reizvoller Landdschaftsblickpunkt, eine außerordentliche Weinlage und eine bedeutsame geschichtliche Erinnerung eigenartig vereinen.

In die wegen des Bischofsmordes verfluchte und verlassene Burg zog 1246 ein Raubritter aus dem Wormsgau ein und plünderte besonders durch eine nach der Volksüberlieferung über die Mosel gespannte Kette angehaltene Schiffe aus, bis Erzbischof Arnold II. von Isenburg (1242 - 1259) das Raubnest überfiel und zerstörte. Die im 18. Jh. an dem allein von der Burg von der Leyen erhalten gebliebenen breiten Wachturm angebrachte Sonnenuhr stellt einen Höhepunkt der Sonnenuhr-Romantik an der Mosel dar.

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